Tagebuch

Erzgebirge 2004

Mit einer betörenden Anzahl an Pferdestärken gewappnet und seit den frühen Morgenstunden im Sonnenschein unterwegs, begaben sie sich in die Ländereien des Erzgebirges und nahmen letztlich Unterkunft im Hause „Dittersdorfer Höhe“ bei der Wirtsfamilie Fröhlich. Das sollte ihr Ziel sein, wo sie sich jeden Abend beisammen setzten, berichteten und morgens wieder ausschwärmten.

 

Auf dem Wege zum Quartier kehrten sie gut gelaunt und neugierig der Dinge, die da kommen sollten, zur morgendlichen Stärkung in das Gasthaus „Neumarktstübchen“ ein. Nachdem dort im ausreichenden Maße gespeist und getrunken wurde, führte sie der Weg weiter über etliche Landstraßen, durch Wiesen und Wälder, Dörfer und Städte bis ein Gefährt lahmte und diesem nunmehr durch seine Ritter Marion und Peter Rast für einen Tag auf einem Hänger gewährt wurde.

 

Auf dem Weg zum Quartier trafen sie zahlreiche, ihnen entgegenkommende Ritterzüge, die jedoch der Anzahl nach unterlegen waren. Es musste Besonderes vor sich gehen, da viele Ritter im Lande unterwegs waren und Einheimische der Stadt Frankenberg den Einzug des Kreuzzuges auf dem Marktplatz mit offenen Mündern bestaunten und dieses seltene Ereignis bildlich festhielten. Es schlossen sich hier auf den „Dittersdorfer Höhen“ weitere Ritter diesem Kreuzzug an. Sie stammten aus den Häusern Gothas und Schmalkalden-Meiningens.

 

Nach einem anstrengenden und erfolgreichen Ritt bereitete der Wirt des Gasthauses „Dittersdorfer Höhe“ den nun hungrigen und durstigen Rittern ein Mahl aus jungem Schwein und anderen Leckereien, die da genüsslich verzehrt wurden. Voll gefressen und müde der vielen frischen Luft wurde nun das Schlafquartier bezogen, um gestärkt in den nächsten Tag zu gehen.

 

 

Am folgenden Tag, es war nun der 21.05.04, trafen sich die Ritter und frühstückten gemeinsam. Der 21jährige Verbund zweier Eheleute, hier des ersten Ritters „Iron Wolf“ und seiner Gemahlin „Iron Tiger“, konnte nun nicht unerwähnt bleiben. Mit Staunen und viel Hochachtung nahm man die Dauer dieses Bundes in großer Gruppe auf. Beim Satteln der Gefährte musste der Ritter „Iron Fox“ die Beschädigung seiner Trophäe feststellen. Hatte sich doch ein unbekanntes Waldtier über Nacht, heimlich, still und leise an dem Fuchsschwanz ordentlich zu schaffen gemacht.

Nun wurden Erkundungen in fremden Ländereien der Tschechischen Republik eingeholt. Nach dem unauffälligen Einreisen auf noch immer 26 Gefährten wurde auch hier zur Mittagszeit Rast getan. Ein wohl gesonnener tschechischer Wirt tafelte mit seinen Mannen auf und stopfte die hungrigen Mäuler.

Der bisher zurück gelegte Weg war von leichter Kühle, einigen Wolken, aber auch Sonnenschein geprägt. Der nunmehr vor ihnen liegende Weg sollte schwer und müßig werden.

 

Die stolzen Ritter widersetzten sich jedoch dem sinnflutartigen Regen, dem späteren Hagel und den Windböen in heroischer Art. Dies zeichnet einen Mann und eine Frau eines solchen Standes aus.

 

Wieder zurück in den Gebieten der erzgebirgischen Ländereien wurde eine Schmiedestätte besucht. Durch einen Verantwortlichen der Schmiedestätte „Frohnauer Hammer“ in Annaberg-Buchholz / OT Frohnau wurden sie in die Kunst des Schmiedens als auch des Prägens und des Klöppelns eingewiesen. Wer kann sich nicht daran erinnern, dass das Klöppeln nur mit einem Weberknoten und vier Zöpfen zu bewerkstelligen ist. Zwei in jeder Hand. Einmal unten drunter her, einmal oben drüber und dann die zwei in der Mitte.

Geschafft und den Wissensdurst gestillt, kehrten die Ritter auch hier im Wirtshaus ein und wärmten sich äußerlich und innerlich.

Die müden Glieder wurden schließlich wieder auf die Gefährte geschwungen, um zurück in das Gasthaus zu kehren. Das erlahmte Gefährt vom Vortag war nun wieder gesundet und für die nächsten Ausritte gewappnet. Hatte sich doch ein Meister seines Handwerks um das Lenkkopflager des lahmenden Gefährts in geneigter Art gekümmert.

Auch wartete wiederum am Abend ein Festmahl auf die Ritter dieses Kreuzzuges, welchem sich einzelne Ritter persönlich widmeten. Ob Regen, ob Schnee, ob Kälte oder Dunkelheit, sie standen ihren Mann am Feuer, über welchem sie das Fleisch für die Meute grillten.

Des Hungers gestillt, nahm nun der Durst zu. Zu dem Fass Bier wurden nun die Karten gezockt bis das die Lider schwer wurden und der Rückzug in die Betten begann.

 

Jedoch nicht lang.

Der Anführer des Kreuzzuges, der erste Ritter „Iron Wolf“, sollte Geburtstag haben und wurde nun von seinen Mannen zum Tageswechsel in seinen Gemächern aufgesucht. Nachdem er erwachte und dem ihm dargebotenen Ständchen gelauscht hatte, wurden ihm die besten Wünsche übermittelt und er konnte kurz danach seinen wohl verdienten Schlaf fortsetzen. Im Übrigen trägt der erste Ritter unter seiner Rüstung ein grünes, kurzbeiniges Schlafgewand.

 

 

Auch am nächsten Morgen, nun es war der 22.05.04, traf man sich zur morgendlichen Stärkung und sattelte die nunmehr vollständigen 27 Gefährte. Bei kaltem Wind und dunklen Wolken wurden die kleinsten und hintersten Winkel der Ländereien entdeckt. Der Weg führte letztlich bergauf, bergab, über Stock und Stein, über Rechts- und Linkskurven zum Schloss Augustusburg, dessen Schlossherr halbstündlich Vermählungen durchführte und ihnen Einblick in das Schloss gewährte. Nach dem dortigen Aufwärmen wurden die Räumlichkeiten des Schlosses besucht und die im Kerker stattgefundenen Grausamkeiten bestaunt.

Der stete Wechsel des Wetters ließ kein Gemüt erzürnen und so teilten sich die Ritter in kleinere Gruppen, um die weitläufigen Gebiete intensiver zu erkunden.

 

So begaben sich einige Ritter zu den Talsperren oder auch zu Burgen, um diesen einen höfischen Besuch abzustatten. Andere Ritter hingegen begaben sich erneut über die Grenzen in das unbekannte tschechische Land und kauften dort Güter des Luxuslebens. Auch hier sollte ein Gefährt beinahe lahmen, da der Ritter „Iron Falcon“ ihm nicht die Zügel an den Läufen entfernte. Auch hier befand sich das Glück auf ihrer Seite und das Bremsscheibenschloss wurde nicht zum Hindernis.

 

Nach einem erlebnisreichen Tag kehrten die Ritter von ihren Ausritten zurück und wurden erneut durch den Wirt des Gasthauses mit einer langen Tafel an Speisen und Köstlichkeiten verwöhnt. Nach dem Speisen stach der erste Ritter „Iron Wolf“ voller Vergnügen und spendabel, vorerst erfolgreich, ein Fass Bier an.

Man sagt, achte auf „die Ruhe vor dem Sturm“. Diese Worte nicht beachtend und ihnen nicht glaubend, schoss kurze Zeit später tosend eine Fontäne an Biergebräu quer durch den Raum und begrub zwei Ritter unter sich. Erschrocken von dem Ausmaß des Geschehens und benommen vom Geruch wie dem in einer Destille, wurde die Bierlache aufgenommen und weiter des Gesöffs gefrönt.

Der guten Laune nicht überdrüssig, wurden am Abend die Karten gezockt und die Kugeln mit Schwung geschoben.

 

Der letzte Tag des diesjährigen Kreuzzuges, es war der 23.05.04, sollte mit erstaunten Gesichtern beginnen. Der Blick ins weite Land hinaus, zeigte einen weißen Schimmer auf den Feldern und bedeutete die frohe Kunde der tiefen Temperaturen von 0° Grad Celsius. Hat man das schon erlebt. Es ist Mai, es schneit und regnet wie aus Eimern. Kurz entschlossen entschied eine Gefährtsbesatzung des Berliner Rittergeschlechts dem Verwöhnen des Gastwirtes Fröhlich noch einen Tag länger zu frönen und verabschiedete sich vom Rest.

Dem Wetter trotzend nahmen die Ritter gut geschützt den Heimritt auf sich, obwohl zuvor einige versuchten, sich einen warmen Unterschlupf in einem großräumigen Gefährt zu ergattern.

Dem Gefährt des ersten Ritters „Iron Wolf“ ging noch vor Antritt des Heimweges der Atem aus. Es musste über das Gefährt des Ritters „Iron Bird“ mittels Überbrückungskabel wieder belebt werden und setzte anschließend seinen Weg unbeirrt fort.

 

Die Ritter des Gothaer und Schmalkalden-Meiningen Geschlechts verabschiedeten sich ebenfalls an den „Dittersdorfer Höhen“ und trugen die Erkenntnisse des Kreuzzuges in ihre Ländereien. Auch die Ritter des Aschaffenburger Geschlechts nahmen baldig eine andere Route, um in ihrer Heimat die frohe Kunde des erzgebirgischen Lebens zu verbreiten.

 

Auf der Suche nach einem wärmenden Unterschlupf auf dem nunmehr unlängst begonnenen und ungemütlichen Heimweg kamen die restlichen Ritter am Gasthaus „Zur Schlemmer-Stube“ im Orte Pausitz vorbei. Da hier gerade eine Neueröffnung des Wirtshauses gefeiert worden war, nahm man sich der dort vermuteten Gastlichkeit hoffnungsvoll  an.  Dies sollte ein Trugschluss gewesen sein. Nachdem der Bedienung die Bestellung eröffnet wurde, kamen baldig erste Zweifel:

„Warum dauert ein Tee und ein Kaffe so lang?“.

Die Antwort sollte kommen:

„Es tut mir leid, der Kaffee ist aus.“

„Dann brühen sie doch Neuen. Wir warten gern.“

„Wir haben gar keinen Kaffee mehr.“

„Dann nehme ich Tee!“

àSpäter :

„Es tut mir leid, der Tee ist aus.“

„Dann nehme ich Kakao.“

àSpäter :

„Es tut mir leid, der Kakao ist aus.“

„Dann nehme ich Apfelsaftschorle.“

àSpäter (ca. 1 Stunde und 2 Apfelschorlen später) :

„Ich hätt gern noch eine Apfelsaftschorle.“

„Es tut mir leid, die Apfelsaftschorle ist auch aus.“

„Sagen sie, haben sie überhaupt genug Essen für uns   ?“

„Der Koch ist doch gerade beim Durchzählen, ob die Mahlzeiten reichen. Er wird sicherlich gleich Bescheid sagen!“

 

Nach der Bestellung der Rechnung über die verbliebenen und genießbaren Speisen und Getränke musste nunmehr auch festgestellt werden, dass in diesem Wirtshaus auch nur mit Goldtalern zu zahlen war. Das Vorzeigen einer Karte mit dem anschließenden Unterschreiben eines Zettels war hier  nicht möglich. Und nun ?

„Es tut uns leid, die Euros sind auch leider ausgegangen!“

 

Es fehlten letztlich noch Seife und Toilettenpapier, aber das machte nun auch nichts mehr.

Das Essen hat trotzdem gemundet, wenn es auch, wie vermutet, in den Portionen gestreckt schien. Die Versorgung mit Getränken sollte man dort lieber selbst vornehmen, da man sonst verdursten könnte. Ein Hoch auf den Geschäftsmann dieser Schlemmerstube.

 

Nahe den heimatlichen Gefilden begrüßte uns die Hauptstadt mit Sonnenschein. Die Wolken zogen von dannen und die Berliner Luft grüßte seine heimgekehrten Ritter nach einem ca. 800 km langen Kreuzzug. Die Daheimgebliebenen lauschten wissbegierig den Schilderungen des viertägigen Ausritts und alle Ritter beschlossen ein weiteres Mal in naher Zukunft gemeinsam auszureiten.

 

 

Adressen :

 

Hotel „Dittersdorfer Höhe“                                                à empfehlenswert

Familie Fröhlich

Höhenweg 2

09439 Amtsberg

 

„Neumarktstübchen“                                                          à empfehlenswert

Mario Belz

Herzberger Str. 37

14913 Jüterbog

 

„Frohnauer Hammer“                                                         à sehenswert

09456 Annaberg – Buchholz

Ortsteil Frohnau

 

Schloss Augustusburg                                                          à empfehlenswert

 

„Zur Schlemmer-Stube“                                                       à vorbei fahren

Grimmaer Straße 96

04828 Pausitz

Tel.: 034383/ 62 837

 

 

Fazit :

 

Ich möchte abschließend sagen, dass ich als „ängstlicher“ Ritter dieser Runde nun endlich wieder Lust auf Ausritte mit meinem seit etwa drei Jahren im Stall stehenden Gefährt bekommen habe und dies nunmehr eine Frage der Zeit sein wird, dass ihr mich alle durch die Stadt „reiten“ seht.

Mich hat ganz besonders die Organisation der Tour, also die Auswahl und Reservierung der Lokale, der Unterkunft und der Sehenswürdigkeiten als auch die Durchführung der Kolonnenfahrt beeindruckt.

„Also ich will vorn die Intruder sehen, dann die Frauen und dahinter die Heizer. Wir fahren versetzt und schaut auf euren Hintermann.“

An dieser Stelle also nochmals ein ganz dickes Danke schön an den Präsi der Iron Riders, an „Iron Wolf“, und seine Gemahlin „Iron Tiger“.

Nicht unerwähnt bleiben soll der heldenhafte und vor allem mutige Einsatz der die Kolonne flankierend begleitenden Ritter „Iron Horse“ und „Iron Dragon“ sein, die sich jedem noch so starken Gefährt entgegen stellten und die Durchfahrt der Kolonne ungehindert ermöglichten. Auch wenn der erste Ritter „Iron Wolf“ sagt, die kann man nicht für gut mitnehmen, denke ich schon, dass ohne sie weitaus weniger laut gelacht worden wäre.

 

Eines interessiert mich aber noch brennend: Lebt denn der alte Holzmichel noch?

 

 

Gruß an alle

Peggy

(ehrenhafte und wohlfeile Gespielin des Ritters „Iron Bull“)

 

Berlin, den 26.05.04

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